Straßburg, 24. April 2008
Europäisches Parlament spricht sich gegen IFRS-Vorschriften für mittelständische Unternehmer aus
Das Europäische Parlament hat heute mit deutlicher Mehrheit den Bericht des CSU-Europaabgeordneten Alexander Radwan zur Festlegung von Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) angenommen - und somit den umstrittenen IFRS-Regeln für KMU eine klare Absage erteilt. Die europäischen KMUs haben keinen Bedarf für diese komplexen Normen und sollen sie deshalb nicht anwenden müssen. Das Plenum folgte Radwans Kritik an der Organisationsstruktur der International Accounting Standards Committee Foundation (IASCF) und ihrem Versuch, nun auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Rechnungsstandards festzulegen. Damit hätte eine kleine Gruppe den vielen europäischen KMUs ihren Willen zur Anwendung neuer Rechnungslegungsvorschriften aufgezwungen.
"Es ist wichtig, dass die IFRS-Organisation sich auf Veränderungen einstellt", sagte Radwan, wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-ED-Fraktion. Denn das Gremium entscheidet bislang eigenständig und selbstherrlich. Der Vorschlag einer "Monitoring Group", mit dem die Organisation der Kritik des Europäischen Parlaments begegnen möchte, indem es hochrangige Politiker zur Kontrolle ihrer Arbeit versammelt, wird als unzureichend abgelehnt: Diese könnten wiederum nur Entscheidungen der Organisation absegnen, aber nicht wesentlich beeinflussen.
Der heutigen Abstimmung war eine lange und kontroverse Diskussion vorausgegangen, ob in Zukunft auch kleinere Unternehmen nach dem neuen System IFRS bilanzieren sollen. Dies hätte bedeutet, dass deutsche Handwerker und mittelständische Betriebe statt der jahrzehntelangen bewährten HGB-Bilanz künftig ihren Jahresabschluss nach den komplizierten IFRS-Regeln erstellen müssten. Wesentliche Kritikpunkte sind dabei, dass auch KMU unter Umständen das gesamte, 2500 Seiten umfassende Regelwerk berücksichtigen müssten. Hinzu komme, dass die umfangreichen Anhangangaben für mittelständische Betriebe, die sich nicht am Kapitalmarkt refinanzieren, völlig unnötig sind.
Der Bericht, den Radwan dem Parlament vorlegte, schlägt vor, auf europäischer Ebene selbst Standards für den Mittelstand zu erarbeiten, wenn daran Bedarf bestehen sollte. Hier wäre die Kommission und der europäische Gesetzgeber in der Verantwortung, aber nicht das unnahbare Board in London.
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